Hundesprache verstehen: Warnsignale vor einem Biss

Ich arbeite ehrenamtlich in einem Tierheim in Deutschland und gehe dort regelmäßig mit Hunden spazieren. Vor Kurzem war ich mit einer Hündin unterwegs, die aus der Ukraine gekommen ist und bereits seit mehreren Monaten im Tierheim lebt.

Ihr Verhalten weist eine wichtige Besonderheit auf: Sie geht selbstständig auf Menschen zu, sucht Nähe und wirkt kontaktfreudig. Sobald ein Mensch jedoch beginnt, sie zu streicheln, kann sie beißen.

Diese Situation hat mich erneut daran erinnert, wie wichtig es ist, die Körpersprache eines Hundes zu verstehen. Nur weil ein Hund auf einen Menschen zugeht, bedeutet das nicht automatisch, dass er angefasst werden möchte.

Warum sucht ein Hund Nähe, möchte aber nicht gestreichelt werden?

Ein Hund kann Nähe, Sicherheit oder sozialen Kontakt suchen und sich gleichzeitig mit Berührungen unwohl fühlen. Besonders das Beugen über den Hund, eine Hand über seinem Kopf, direkter Blickkontakt oder eine unerwartete Berührung können als bedrohlich empfunden werden.

Wenn man diese Hündin aufmerksam beobachtet, erkennt man eine klare Abfolge. Zuerst nähert sie sich dem Menschen. Sobald sich die Person über sie beugt, eine Hand hebt oder beginnt, ihren Kopf zu streicheln, wendet die Hündin den Kopf deutlich ab.

Der Hund wendet den Kopf ab: ein wichtiges Beschwichtigungssignal

Viele Menschen schenken diesem Verhalten kaum Aufmerksamkeit. Dabei kann das Abwenden des Kopfes zu den sogenannten Beschwichtigungssignalen beim Hund gehören.

Der Hund kann damit ausdrücken:

  • „Ich fühle mich unwohl“;
  • „Bitte hör auf“;
  • „Ich möchte keinen Konflikt“;
  • „Ich brauche mehr Abstand“;
  • „Gib mir bitte etwas mehr Zeit“.

Das Konzept der Beschwichtigungssignale, auch Calming Signals genannt, wurde insbesondere durch die Arbeit der norwegischen Hundetrainerin und Autorin Turid Rugaas bekannt.

Zu diesen Signalen können das Abwenden des Kopfes, das Lecken über die Nase, Gähnen, langsame Bewegungen oder das Vermeiden von direktem Blickkontakt gehören.

Welche Warnsignale zeigt ein Hund vor einem Biss?

Ein Biss ist nur selten das erste Kommunikationssignal. Zuvor versucht der Hund häufig, sein Unwohlsein auf weniger auffällige Weise zu zeigen.

  • Er wendet den Kopf oder den gesamten Körper ab.
  • Er leckt sich ohne erkennbaren Grund über die Nase.
  • Er gähnt in einer angespannten Situation.
  • Er legt die Ohren zurück.
  • Er versucht wegzugehen oder sich zu verstecken.
  • Er erstarrt plötzlich.
  • Sein Körper wird steif und das Maul geschlossen.
  • Das Weiße der Augen wird sichtbar.
  • Er knurrt, schnappt oder macht einen warnenden Ausfallschritt.

Besonders wichtig ist das Erstarren des Hundes vor einem Biss. Wenn ein Hund plötzlich jede Bewegung einstellt, sein Körper steif wird und sein Blick fixiert erscheint, sollte die Interaktion sofort beendet werden.

Warum beißt ein Hund beim Streicheln?

Wir wissen nicht, was diese Hündin in ihrer Vergangenheit erlebt hat. Möglicherweise verbindet sie eine Hand über ihrem Kopf mit einer unangenehmen Erfahrung. Trotzdem sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass jeder Hund mit diesem Verhalten misshandelt wurde.

Auch Angst, Schmerzen, Berührungsempfindlichkeit, Übererregung, fehlende Gewöhnung an Körperkontakt oder das Gefühl, nicht ausweichen zu können, können eine solche Reaktion auslösen.

Entscheidend ist, dass der Hund versucht, den Menschen zu warnen, bevor die Situation eskaliert.

Was tun, wenn der Hund den Kopf abwendet oder sich anspannt?

  • Beenden Sie das Streicheln.
  • Beugen Sie sich nicht über den Hund.
  • Nehmen Sie die Hand zurück und drehen Sie den Körper leicht zur Seite.
  • Geben Sie dem Hund die Möglichkeit, Abstand zu schaffen.
  • Halten Sie ihn nicht gegen seinen Willen fest.
  • Bestrafen Sie den Hund nicht für das Knurren.
  • Lassen Sie wiederkehrendes Verhalten tierärztlich und verhaltensfachlich abklären.

Knurren ist ein Warnsignal und nicht einfach schlechtes Benehmen. Eine Bestrafung beseitigt die zugrunde liegende Unsicherheit möglicherweise nicht. Stattdessen kann der Hund lernen, vor einem Biss nicht mehr zu warnen.

Hunde kommunizieren ständig mit uns

Menschen nehmen häufig erst die letzte Reaktion wahr: einen Biss, ein Knurren oder einen plötzlichen Ausfallschritt. Davor hat der Hund jedoch meistens bereits feinere Signale von Stress, Angst oder dem Wunsch nach mehr Abstand gezeigt.

Die Hundesprache zu verstehen, ist deshalb für verantwortungsvolle Hundehalter, Tierheimmitarbeiter, Gassigänger, Hundesitter und Hundetrainer besonders wichtig.

Wenn Sie eine Hundeschule in Unterschleißheim, einen Hundetrainer in München oder einen Personal Dog Trainer suchen, sollte das Lesen der Körpersprache ein zentraler Bestandteil des Hundetrainings sein.

Das Ziel ist nicht nur Gehorsam, sondern ein sicherer, vertrauensvoller und entspannter Hundealltag in München und Umgebung.

Hunde sprechen ständig mit uns. Die entscheidende Frage ist, ob wir ihre Signale wahrnehmen.

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